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Home / Theaterarbeiten / Presse-Archiv /   DNT Neusath-Perschen-08.10.07




Von Rudolf Barrois - 08.10.2007 - Netzcode: 1129303 - Der neue Tag vom 08. Oktober 2007

Neusath-Perschen

Blick in die Untiefen menschlicher Schuld

Mit "Banditen" nach Schillers "Räubern" geht die Volksbühne "Spinnrad" in Neusath-Perschen in zweite Spielzeit

Neusath-Perschen. Im Freilandmuseum Neusath-Perschen wurde am 5. Oktober geschossen und gemordet. Mit einer freien Bearbeitung von Schillers "Räubern" startete die Volksbühne Spinnrad an diesem Tag in ihre zweite Spielzeit.

Peter Klewitz, dem Gründer der Volksbühne, war es, als er Schillers Klassiker vom Grafenschloss auf einen oberpfälzischen Bauernhof verlegte und Schillers Theatersprache ins Oberpfälzische übersetzte, darum gegangen, die Zuschauer in die Abgründe der menschlichen Seele sehen zu lassen. Diese Untiefen sind ohne Zweifel zeitlos. Klewitz ist dieser Nachweis gelungen.

Mit oder ohne Waffe

Der leidenschaftliche, phantasiebegabte Karl, Sohn eines Bauern, wird an der Hochschule zu Würzburg zum Wortführer einer Gruppe von jungen Leuten, die sich gegen die verkrusteten Systeme an der Universität und in Stadt und Staat auflehnen. Die Zeit der groben Scherze ist vorbei, als eine Entscheidung fallen muss: Es geht darum, ob der Widerstand mit akademischer Wortklauberei oder auch mit der Waffe in der Hand fortgesetzt werden soll. Der Dialog, den Karl mit dem ungestümen Razmann führt, erinnert bis in den Wortlaut hinein an die Auseinandersetzungen, wie sie in der Außerparlamentarischen Opposition (APO) der 68er geführt worden sind.

Zuhause fühlt sich Karls Bruder Franz zurückgesetzt. Er intrigiert gegen den vom Vater vorgezogenen Studenten, erreicht durch gefälschte Briefe, dass dieser seinen studierenden Sohn verstößt. Nicht zuletzt das bewegt Karl dazu, seinen Freunden nachzugeben, die ihn zum Hauptmann einer Räuberbande machen. Die Tragödie nimmt ihren Lauf.

Peter Klewitz hat vor allem zwei Dinge herausgearbeitet: Die Tat ist nicht ohne Motiv erklärbar, beim hinterhältigen Franz und beim idealistisch angetriebenen Karl geht es darum, ob der Zweck das Mittel heiligen darf. Der tödliche Ausgang für alle beantwortet diese Frage wie schon beim Vorbild Schiller mit Nein. Von der Konsequenz her betrachtet, ist der idealistische Täter eben nicht besser als der eigennützige. Die Handlung spielt 1860, zwölf Jahre nach der 48er Revolution, die sich längst wieder bürgerlich etabliert hat. Der Grundkonflikt zwischen Restauration und Aufbruch in die wirkliche Freiheit schwelt weiter und wird immer wieder aufbrechen.

Klewitz und Regisseur Nikol Putz, der das Stück mit wenigen Requisiten und mit nur fünf Darstellern in acht Rollen umgesetzt hat, ist es ohne Frage gelungen, den menschlichen und gesellschaftlichen Grundkonflikt auch einen jungen Publikum zu vermitteln, dem Schillers Stück möglicherweise verstaubt erscheint.

Dass die Botschaft ankam, ist nicht zuletzt exzellenten Darstellern zu verdanken. Till Klewitz gelang es mit leidenschaftlichem Spiel, beide Brüder in ihren unterschiedlichen Befindlichkeiten und Charakteren glaubhaft zu vermitteln, eine schauspielerische Meisterleistung. Gernot Osterman zeigte echte Klasse als Räuber Razmann und als Vater Moor. Hier der zu jeder Schandtat bereite "Praktiker" der studentischen Revolte, dort das verzweifelte Opfer seines eigenen Sohnes.

Eine couragierte Amalie gab Nina von Düsterlho. Sie wird am Ende die einzige Unschuldige sein und ihrer Liebe zu Karl wegen aber mit in den Abgrund stürzen. Den blind seinem Hauptmann folgenden Räuber Roller mimte Kay Waidelich mit viel Enthusiasmus. Auch ihm wird, von allen verlassen, nur der Tod bleiben. Das gleiche Schicksal trifft den "Schweizer", mit bemerkenswerter Verve gespielt von Stefanie Boettger. Christine Wagner begleitet das Stück mit ihrer melancholischen Klarinette. Sie fängt Stimmungen auf, knüpft einen muskalischen roten Faden durch das Stück.

Kernstück der Szene ist ein in drei Teile geschnittener gewaltiger Baumstamm, der die optische Verbindung schafft.

Die Worte des Dichters

Das Vorbild Schiller kommt selbst zu Wort in Passagen aus seinen Rezensionen der "Räuber". Die Texte sind einerseits Rechtfertigung für das Stück selbst und zugleich philosophisch-kritische Analyse, die die Handlung, in welche Zeit sie auch transponiert sein mag, in den großen Zusammenhang menschlichen Strebens und menschlicher Schuld einordnet. Nicht zuletzt wegen der außerdordentlichen Leistung des Ensembles hinterließ diese zweite Spinnrad-Premiere beim Publikum einen tiefen Eindruck.

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