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Von Thomas Göttinger - 09.10.07 - Mittelbayerische Zeitung

Wo dem Mo richtig g’holfer wern ko

Ensemble Spinnrad zeigt Oberpfälzer Schiller-Adaption „Banditen“ von Peter Klewitz

NEUSATH. „Dem Mo ko g’holfer wern.“ Am Schluss ist Peter Klewitz dann doch wieder ganz nah dran, an der berühmten Vorlage. Mit dem Satz der Sätze aus Schillers „Räuber“ schließt nicht nur das Original, sondern auch die Adaption, die der in Regensburg lebende Journalist und Theatermann Klewitz geschrieben hat. Seine „Banditen“ sind freilich vom Württembergischen in die Oberpfalz transferiert worden und spielen um 1860 herum. Am Freitag erlebte das Stück als Produktion der „Spinnrad Volksbühne“ im „Oberpfälzer Freilandmuseum“ seine Uraufführung – und siehe da: Die „Räuber“ auf oberpfälzisch funktionieren!
Natürlich braucht kein Mensch den Klassiker um die beiden Brüder Moor als Volksstück. Und ob diese Version tatsächlich dabei hilft, „das Stück auch anderen Kreisen zugänglich zu machen als geübten Theatergängern“, wie der Autor im Programmheft schreibt, lassen wir mal dahingestellt.
Weil Klewitz aber das kleine Wunder schafft, aus dem allzu bekannten Sujet ein ganz eigenes Ding zu machen, das zwar Namen, Handlung und das so wichtige psychologische Moment der Vorlage übernimmt, sich aber sowohl in der Sprache wie in der subtil ausdifferenzierten Gefühlswelt der Figuren dann doch erheblich unterscheidet, ist die Frage nach dem Sinn des Ganzen spätestens nach dem ersten Bild sowieso obsolet. In sich stimmig und dramaturgisch geschickt gemacht ist das Stück obendrein. Und wenn dann über „die schreckliche Bande der freiheitlichen Freigeister, der intelligenten, weil studierten Banditen“ fabuliert wird, gibt es auch kleine Schmunzler zwischendurch.
Pralles Theatermaterial also, das in der ebenso raffinierten wie packenden Inszenierung von Nikol Putz optimal zur Geltung kommt. Putz lässt den kompletten Saal bespielen. Eine Bühne im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Die Zuschauer bilden mit ihren Stuhlreihen eine Art Gasse, in der die Schauspieler agieren.
Drei mächtige, auf dem Boden liegende Baumstämme sind das wesentliche Ausstattungsmerkmal. Allein der Duft von frisch geschnittenem Holz, den sie verströmen, zieht einen schon hinein in die Geschichte. Auch ansonsten ist Sinnlichkeit Trumpf. Es wird geschossen und der Säbel geschwungen, mit Stangen geschlagen, geschrien und lautstark Holz gehackt.

Zwischen den einzelnen Bildern ziehen sich die Akteure vor den Augen der Zuschauer um oder schlüpfen in eine andere Rolle. Melancholische Klarinettenklänge (Christine Wagner) begleiten die Szenenwechsel, gelesene Textteile zumeist aus den zahlreichen Vorreden Schillers zu seinen „Räubern“ rund die Übergänge ab. Ein individueller, atmender Rhythmus entsteht so, fast möchte man trotz des problematischen Vergleichs von einer großen, szenischen Moritat sprechen.
Und die lebt vor allem durch das junge, engagierte Schauspieler-Ensemble. Kay Waidelich gibt einen herrlich naiv-treuherzigen Roller, Stefanie Boettger den munter schwäbelnden, geradlinigen Schweizer und Gernot Ostermann macht als zwielichtiger Razmann eine ebenso gute Figur wie als der alte Moor, der in dem Stück kein Graf, sondern ein – wie könnte es anders sein – Großbauer ist. Nina von Düsterlho zeichnet eine ungemein frische, lebendige Amalie, die selbstbewusst ihren Weg geht.
Primus inter pares aber ist Till Klewitz in der Doppelrolle des Karl und des Franz Moor. Bis hin zu physiognomischen Feinheiten arbeitet er die Unterschiede zwischen den beiden heraus und liefert gleich zwei beeindruckende Charakterstudien ab. Ganz zurecht gebührte ihm zum Schluss darum auch der Satz der Sätze in diesen „Banditen“.

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