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Theaterarbeiten / Konzeptionen / Zukunft der Darstellenden Kunst in Tirschenreuth /   Info Zukunft der Darstellenden Kunst in Tirschenreuth


Die Zukunft der Darstellenden Kunst in Tirschenreuth

eine Vision zur innovativen Stadtentwicklung


Vorwort
Die Kreisstadt Tirschenreuth hat sich mit sehr erfolgreichen Theaterprojekten schon im letzten Jahrzehnt einen hervorragenden Ruf erarbeitet, der weit über die Grenzen der Region hinaus reicht. Sie ist die Theaterstadt im Landkreis und in der Region.

Heute stehen die Entscheidungsträger vor einer neuen, großen Herausforderung: die Darstellende Kunst hat eine neue Spielstätte gefunden und ein semiprofessioneller Theaterbetrieb wurde als Verein etabliert. Bereits die erste Eigenproduktion, „Stoapfalz“ von Horst Wolf Müller, wurde im Sommer 2003 mit großem Publikumserfolg realisiert.

Die hier vorgetragene Vision von der Entwicklung der Darstellenden Kunst als Motor für die Zukunft der Kreisstadt Tirschenreuth, mit vielen Synergieeffekten für Wirtschaft, Dienstleistung und Gastronomie, lässt sich mit hoher fachlicher Kompetenz und gemeinschaftlicher Verantwortung zeitnah verwirklichen. Sie kann zur innovativen Kraft werden und auch die Verbesserung der sozialen Lebenssituation begünstigen.

Wir können gemeinsam, unter der Federführung der Kreisstadt und durch die Unterstützung des Landkreises Tirschenreuth, des Bezirks Oberpfalz, der Regierung der Oberpfalz und des Freistaates Bayern, durch den Kulturfond sowie weitere Stiftungen und mit der fachkompetenten künstlerischen Leitung des hier vortragenden Konzipienten, dieses kulturelle Netzwerk entwickeln und zum nachhaltigen Erfolg für die Stadt Tirschenreuth und die ganze Region führen. Durchführendes Zentrum sollte das Moderne Theater Tirschenreuth e.V. im neuen Theater am Luitpoldplatz sein,

Nikol Putz
im Dezember 2003


Inhalt

A. Die Ausgangssituation
B. Die neue Spielstätte
C. Das Theaterleben, Eigenproduktionen, Gastspiele
D. Theater verbindet Menschen – auch über Grenzen hinweg
E. Ein Theaterfestival in Tirschenreuth
F. Der Schulkomplex für die Darstellende Kunst
G. Städtepartnerschaften, Städtebund, Koproduzenten
H. Resümee und Nachwort


A. Die Ausgangssituation
Die „Seele“ der bisherigen Bestrebungen ist, wie immer in solchen Fällen, eine Gruppe beherzter Menschen, die mit starkem Gestaltungswillen ihren Ideen nachgehen. Die Schauspieler bildeten nach ihrem Interesse zunächst ein Ensemble und dann eine Situation, mit der eine erste semiprofessionelle Theaterproduktion realisiert werden konnte. Sie sammelten finanzielle Mittel, engagierten einen professionellen Regisseur als künstlerischen Leiter, der ihnen auch bei allen Fragen der Planung und Durchführung der Produktion mit fachkundigem Rat zur Seite stand, und erweckten eine seit Jahren nicht mehr genutzte Spielstätte zu neuem Leben. Die Dynamik der Vorgehensweise und die Stringenz der Planung und Durchführung suchen ihresgleichen und lassen insbesondere auf die zukünftige Energie vertrauen. Frau Gabriele Saller muss hier herausragend als Produktionsleiterin und heutige 1. Vorsitzende des in diesem Zusammenhang neu begründeten „Modernen Theater Tirschenreuth e.V.“ unbedingt genannt werden.

Bereits mit der ersten Produktion, „Stoapfalz“ von dem Autoren Horst Wolf Müller, wurde im Sommer 2003 ein grandioses Theaterereignis in Tirschenreuth zur Premiere gebracht. Die Aufmerksamkeit war auch überregional so groß, dass im November 2003 eine Wiederaufnahme durchgeführt wurde und im Jahr 2004 noch mindestens ein Gastspiel in Weiden stattfindet, weitere Einladungen sind im Gespräch. Alle mittlerweile durchgeführten öffentlichen Aufführungen waren ausverkauft. Die Resonanz war beim Publikum und bei der Presse überwältigend positiv.

Die Mitglieder des starken Schauspielerensembles hatten schon mit „Winsheim“ und bei der „Tirschenreuther Passion“ beste Erfahrungen mit der Theaterarbeit gemacht und sind nun, nach den jüngsten Erfolgen, um so mehr motiviert für die zukünftige Theaterarbeit auf hohem Niveau. Ein größtmögliches Engagement ist zu erwarten.


Grossansicht
Theater am Luitpoldplatz
B. Die neue Spielstätte
Das Theater am Luitpoldplatz, das ehemalige Lichtspielhaus, ist eine wunderbare Spielstätte für entsprechende Theaterstücke, Konzerte, Lesungen und für alle Darbietungen aus dem Bereich der Kleinkunst.
Das Gebäude hat Charme und eine besondere Atmosphäre, und ist für die Darstellende Kunst bestens geeignet. Es liegt mitten im Zentrum der Stadt, ist leicht zu finden und gut angebunden mit Parkplätzen sowie bestens eingebunden in die umgebende städtische Struktur, z.B. zur Gastronomie im Stadtzentrum. Für die Stadt Tirschenreuth stellt es nach Größe und Charakter eine ideale Ergänzung zu bestehenden Veranstaltungsorten dar.
Die Akustik ist für das gesprochene Wort ohne Schallverstärkung sehr gut, und für konzertante sowie gesangliche Darbietungen ohne Verstärkung gut. Alle schallverstärkten Darbietungen finden eine ideale Akustik vor, wie es bei Filmvorführungen zu erwarten ist.
Die Größe des Theaterraums ist für die Sichtverhältnisse sehr angenehm. Im Sinne eines Kammerspiels sind die Gesichter der Akteure auch aus den hinteren Reihen gut wahrzunehmen. Die seitlichen Sichtlinien im Parkett sind optimal und die für den Balkon sind im Rahmen eines sanften Umbaus leicht zu verbessern.
Eine sinnvolle Renovierung des Theaters ist unumgänglich. Die heutigen Sicherheitsmaßstäbe sind zu realisieren (Fluchtwege, Notbeleuchtung), zumal aus ökonomischen Gründen eine Besucherzahl über den heute, und nur vorübergehend, geduldeten 99 vorhandenen Sitzplätzen erreicht werden sollte (mehr Plätze im Parkett, und die Erweiterung auf dem Balkon). Die möglichst kostengünstige Renovierung sollte den Charme des Gebäudes nicht stark verändern, es jedoch auf heutige Standards im Zuschauerbereich (Foyer, Gastronomie, Zuschauer-WC) und in Bezug auf die Theaterfähigkeit (Beleuchtung, Tonverstärkung, Garderobenräume, Maske) bringen. Dieses bezaubernde Theater und seine kleine aber sehr feine Bühnenfläche, sollte bei allen Bemühungen nicht die Klassifizierung einer „Szenenfläche“ verlassen, also nicht zur „Mittelbühne“ mutieren.


C. Das Theaterleben, Eigenproduktionen, Gastspiele
Über die belebende, erfrischende Wirkung von guter Theaterarbeit wurde schon viel geschrieben: Es ist einfach wahr, ein Sozialwesen braucht die Kunst, mit ihren Werken und mit den Kunstarbeitern, den Künstlern. Im Kunstwerk werden gemeinschaftliche Werte einer Gesellschaft beschrieben und gefestigt, Widersprüche offensichtlich, können Diskurse über Gedanken und Systeme eröffnet und Modelle eines modernen, gerechten und friedlichen Lebens vorgestellt werden. Die künstlerische Arbeit ist in der Gesellschaft „nicht die Sahne auf dem Kuchen, sondern die Hefe im Teig“ (Bundespräsident Johannes Rau).

Auch die Darstellende Kunst trägt einen sehr wesentlichen, unmittelbaren Anteil zur positiven Bildung des Selbstverständnisses der Individuen bei, die ihr Gemeinwesen sinnvoll und verantwortlich organisieren wollen. Der Zugang des Rezipienten zum Narrativen ist unmittelbar, wenn die Geschichten des Theaters den Lebensrealitäten des Zuschauers begegnen, wenn ihre Lebenserfahrungen denen der Figuren zumindest nahe kommen. Damit dient die Auseinandersetzung mit den Formen und Inhalten der Darstellenden Kunst nicht zuletzt auch ganz besonders der Bildung des persönlichen „Emotionalen Quotienten“. Lebendige Theaterarbeit berührt den Verstand, bildet Vernunft und begleitet ein Nachdenken über die Wahrnehmung von Welt.

Grossansicht
ARMuT, 2004
Die Stadt Tirschenreuth kann nur profitieren vom Aufbau der Darstellenden Kunst zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt und wirtschaftlichen Faktor. Das Moderne Theater Tirschenreuth e.V. sollte einen Jahres-Spielplan aufstellen, der mit Eigenproduktionen und mehreren Gastspielen zunächst monatlich ein Ereignis im Programm hat. Dafür muss ein Jahresetat auf der Basis einer Ausgabenkalkulation erstellt werden, der durch einen entsprechenden Finanzierungsplan gedeckt wird. Die Einnahmen durch Kartenverkauf sind hier ebenso zu berücksichtigen wie projektbezogene Förderungen durch Sponsoren und Stiftungen, sowie eine ständige Bezuschussung durch regionale kommunale und überregionale staatliche Körperschaften. Die Summe der finanziellen Unterstützungen muss hierfür nicht besonders hoch sein, da in Tirschenreuth eine überaus sinnvolle und glückliche Gemeinsamkeit gefunden wurde: Das Zauberwort heißt „Semiprofessionalität“. Es beschreibt die besondere Zusammenarbeit zwischen Amateurtheaterspielern und Berufsregisseur. Hierdurch entsteht eine Theaterarbeit auf hohem Niveau, mit herausragenden Ergebnissen bei vergleichsweise überschaubarem Einsatz finanzieller Mittel.

Wenn in der näheren Zukunft Begehrlichkeiten, Erwartungen und Anforderungen mit der Qualität der vorgestellten Theaterarbeiten steigen, so kann die Höhe der benötigten finanziellen Mittel immer unter dem branchenüblichen Einsatz von Geldmitteln gehalten werden. Die Verwaltung des Theaterbetriebes ist dafür klein zu halten. Ebenso die benötigten Betriebsstätten wie Werkstätten und Schneiderei, - sie müssen nie „ausgegliedert“ werden, wenn sie nie eingegliedert wurden; d.h., dass alle Zuarbeiten für Ausstattung, Kostüm und Maske projektbezogen und aus den Ressourcen des Theatervereins geleistet werden können. Für die soziale Akzeptanz der künftigen Theaterarbeit wird es von großer Bedeutung sein, das „Wir-Gefühl“ in der Stadt zu entwickeln und aufrecht zu erhalten: Jeder leistet seinen Beitrag zum Aufbau und Gelingen der Theaterarbeit in Tirschenreuth.

Die Eigenproduktionen stellen Themen der Theaterliteratur vor, die nicht ständig im Repertoire der nächstgelegenen Städtetheater oder Tourneetheaterbühnen geführt sind. Die Theaterstücke lassen sich mit dem Personal des Modernen Theaters Tirschenreuth e.V. und in den Bühnen- und Raumverhältnissen des Luitpoldtheaters realisieren. Sie gehen nach einer erfolgreichen Vorstellungsserie in Tirschenreuth und einer möglichen Wiederaufnahme auch als „Botschafter des Modells Tirschenreuther Kulturarbeit“ mit Gastspielen nach Weiden, Amberg, Hof, Regensburg, Ingolstadt und wo sonst man dann auf die besondere Qualität der Tirschenreuther Theaterarbeit aufmerksam geworden ist.
Die Gastspiele, die zusätzlich nach Tirschenreuth eingeladen werden sollen, sind von höchstem Engagement und bester künstlerischer Leidenschaft. Es könnten namhafte Künstler mit besonderen Auftritten sein, Monologe und szenische Lesungen, Konzerte mit Liederzyklen, Kleinkunstdarbietungen.


D. Theater verbindet Menschen – auch über Grenzen hinweg
Gemeinsames Erleben verbindet. Der Besuch einer Vorstellung der Darstellenden Kunst, z.B. ein Theaterabend verbindet besonders. Die Vereinbarungen des ästhetischen Vorgangs Theater sind auf Verbindlichkeit aufgebaut. Wer die Regeln nicht kennen würde könnte dem Gemeinschaftserlebnis nicht folgen, würde es mitunter stören. Aber wer will das schon?

Auch über Staatsgrenzen hinweg sind gleiche kulturelle Wahrnehmungen und Erfahrungen auszumachen. Sprachgrenzen können mit dem Gestus überwunden werden, die Musik ist international. Nach jahrzehntelanger Trennung vom Nachbarn Tschechien, wächst heute mühsam, von vielen getragen, Toleranz und Nähe. Die künstlerische Arbeit und ihre Werke sind die unverdächtigsten Botschafter des guten Willens um nachbarschaftliche Verständigung und Austausch, für Frieden und die Entwicklung einer gemeinsamen Zukunft.

Die semiprofessionelle Theaterarbeit in Tirschenreuth kann einen wesentlichen und nachhaltigen Beitrag zur Verbesserung der grenzüberschreitenden Beziehungen leisten. Dafür sollte zur Renovierung des Theaterraumes eine mobile Simultan-Übersetzungsanlage eingeplant sein. Sie kann nicht nur zu Theaterveranstaltungen, sondern auch zu Konferenzen, Vorträgen und weiteren Veranstaltungen eingesetzt werden, auch in anderen Veranstaltungsräumen in Tirschenreuth. Die Finanzierung dieser Anlage und womöglich eines weiteren Anteils der Renovierungskosten des Theaterraumes über europäische Förderungen ist dann möglich, wenn für das gesamte Projekt der grenzüberschreitende Aspekt deutlich erkennbar wird.


E. Ein Theaterfestival in Tirschenreuth
Ein jährliches Theaterfestival in Tirschenreuth wäre ein starker Wirtschaftsfaktor und könnte die reizvollste, schönste und sinnvollste Variante sein, zusätzliche überregionale Bedeutung zu erlangen. Zur Finanzierung z.B. eines deutsch-tschechischen Theaterfestivals stehen durch den grenzüberschreitenden Aspekt wiederum auch europäische Fördermöglichkeiten, zumindest für die Anfangszeit, zur Verfügung. Ein Theaterfestival braucht eine ständige Bezuschussung oder starke Sponsoren, denn allein durch die Einnahmen durch Kartenverkauf lassen sich die Aufwendungen nicht tragen. Die eingesetzten Mittel sind jedoch bestens investiert, denn sie werden größtenteils in Tirschenreuth auch wieder ausgegeben. (Kulturförderung ist immer auch Wirtschaftsförderung, schafft Arbeitsplätze und soziales Engagement.)

Hierzu einige Betrachtungen:
Ein Amateurtheaterfestival hat im Vergleich zu einem professionellen Theaterfestival den Vorteil, dass die anreisenden Gruppen während des gesamten Festivals präsent bleiben, um sich alle Aufführungen anzusehen, zusammen zu arbeiten und einen fachlichen Diskurs zu inhaltlichen Fragestellungen zu führen. Weitere Qualitäten eines Amateurtheaterfestivals sind deshalb Workshops für die teilnehmenden Gruppen, die Publikumsgespräche, das Symposium sowie das offene Forum.

Festivals sind Orte der Begegnung und des Austausches in zweifacher Hinsicht, sowohl zwischen Zuschauern und Theaterschaffenden, als auch unter den teilnehmenden Akteuren. Es gibt zwei Wirkungsbereiche von Amateurtheaterfestivals wenn sie dem Austausch zwischen Künstlern und der Öffentlichkeit dienen und dadurch die Qualität der Theaterarbeit steigern. Zum einen den „externen“ kulturpolitischen und öffentlichkeitswirksamen Bereich, zum anderen den „internen“ Bereich, dessen Ziele vorrangig die Begegnung der Teilnehmer, der Austausch und der fachliche Diskurs sind.

Um den jeweiligen externen und internen Wirkungsbereich optimal zu verbinden, muss für das Erleben eines gemeinsamen Festes ein „Meeting Point“ für die Begegnungen und den Austausch geschaffen werden. Dieser sollte im neuen Theater am Luitpoldplatz, in einer dort durch Renovierung neu geschaffenen Foyergastronomie eingerichtet sein. Weitere Spielstätten könnten u.a. die Säle das Kettelerhauses und zusätzlich ein eigens aufgestelltes Zirkuszelt mit theaterfähiger Ausstattung sein. So gäbe es drei verschiedene Größen von Veranstaltungsräumen. Im Theaterzelt lassen sich unter Umständen auch gewinnbringende Großveranstaltungen realisieren.

Wenn naturgemäß bei einem Amateurtheaterfestival keine Honorare an die Theatergruppen gezahlt werden, so könnte dafür aber als Anreiz ein Preis ausgeschrieben sein, der von einer Fachjury vergeben wird. Geld- oder Sachspreise sind sehr öffentlichkeitswirksam und somit sponsorenfähig. Unterkunft und Spesen müssten den Theatergruppen zumindest anteilig ausgeglichen werden.

Es gibt sehr unterschiedliche Festivalformen, die ihren jeweiligen inhaltlichen Schwerpunkt in einen spezifischen Rahmen setzen. So definiert sich der Charakter eines Festivaltyps häufig über ein Thema oder spezielle Zielgruppen. Hier sei vorerst ein „Theaterfestival für Amateurtheaterbühnen und Freie Gruppen“ vorgeschlagen.

Ein Theaterfestival eignet sich hervorragend für eine nachhaltige Städtepromotion, zumal Festivals auch helfen, einen wichtigen Kulturauftrag der Stadt zu erfüllen. Dieses Arrangement rechtfertigt den Einsatz der öffentlichen finanziellen Mittel für Festivals.


F. Der Schulkomplex für die Darstellende Kunst
Eine Theaterschule in Tirschenreuth könnte nach einiger Zeit ein weit gehend eigenfinanzierter Bereich im Rahmen der Bemühungen um die Darstellende Kunst in Tirschenreuth sein und ebenfalls von sich aus die überregionale Bedeutung erheblich unterstreichen. Ein geschicktes, ausgewogenes Angebot an Wochenend-Workshops, Trainingsmaßnahmen (über vier Wochen) und Qualifikationsmaßnahmen mit Modulsystem (über drei Monate) sowie ein freies Schauspieler-Coaching würden den Ganzjahresbetrieb wirtschaftlich rechtfertigen, mit besonderen Schwerpunkten in den Sommermonaten.

Vielseitige Synergieeffekte sind zu erzielen:

· Freiberufliche Dozenten und die Schüler müssen in Tirschenreuth untergebracht werden, sie wohnen und konsumieren die Lehrzeit über in Tirschenreuth.
· Die Schauspielschüler stünden sicher auch für unsere Eigenproduktionen zur Verfügung und würden außerdem Vorsprechrollen mit Monologen erarbeiten und darbieten. So genannte „Showings“ sind auch für die Öffentlichkeit interessant; evtl. als „Vorsprechen“ organisiert, für anreisende Intendanten umliegender professioneller Theater.
· Das neue Theater am Luitpoldplatz dient als Probenraum und ist Ausgangspunkt und Zentrum für die Theaterschule. Aber auch andere Veranstaltungsräume in Tirschenreuth würden gebraucht und mitfinanziert.
· Weitere Seminarangebote könnten die Attraktivität des Schulkomplexes noch erhöhen: für angehende Drehbuch- und Theaterautoren, für Kostüm- und Maskenbildner, für Regieassistenten und Produktionsleiter, für Requisiteure und Ausstattungsleiter.


G. Städtepartnerschaften, Städtebund, Koproduzenten
Insbesondere für Eigenproduktionen und Gastspiele, aber auch für das Theaterfestival und den Schulkomplex, können bestehende Städtepartnerschaften sinnvoll belebt und genutzt werden. Ein reger kultureller Austausch entspricht dem Gedanken städteverbindender Freundschaften. Eventuelle Sprachbarrieren werden dafür mittels der simultanen Übersetzungstechnik überwunden. Finanzielle Förderungen für grenzüberschreitende Aktivitäten sind innerhalb Europas aus entsprechenden Fonds möglich.

Im Sinne eines Städtebundes sollten gemeinsame Projekte mit den Städten Weiden, Amberg, Bayreuth und weiteren Städten mit eigenen Theaterräumen, aber ohne eigenem Ensemble und Produktionsbetrieb, angedacht werden. So könnten Kosten senkende Eigenproduktionen oder gemeinsame Gastspieleinladungen realisiert werden. Für den gleichen Einsatz von finanziellen und sachlichen Mitteln wird somit eine erheblich höhere Zuschauerzahl erreicht, wodurch sich auch die finanziellen Einnahmen im Verhältnis zum Aufwand erhöhen.

Auch selbst produzierende Koproduzenten aus dem näheren Umfeld, aus Regensburg, Nürnberg, Hof und Ingolstadt, könnten für besondere Projekte gewonnen werden. Hier ist der Grund der verbesserten Kosten-Nutzen-Rechnung nicht vorrangig, das Renommee und der überregionale Erfolg sind erfreuliche und nutzbringende, weil für das gesamte Konzept werbende, Aspekte.

Auch mit der Wirtschaft oder dem Dienstleistungssektor sind Gemeinsamkeiten möglich. So sollte etwa der Träger eines möglichen Hotel-Neubaus dahingehend beraten werden, dass auf die Theaterfähigkeit des Konferenzraumes geachtet wird. Die im Zusammenhang mit diesem Konzept sehr erhöhten Übernachtungszahlen werden einen Investoren sicher interessieren und ermutigen.


H. Resümee und Nachwort
Die hier vorgelegte Konzeption beschreibt keine ferne Utopie, sondern eine Vision im Sinne einer klaren Vorstellung über die zeitnahe Entwicklung der Theaterkunst in Tirschenreuth. Schon bald könnte die Kreisstadt in der nördlichen Oberpfalz ein Zentrum von nachhaltiger künstlerischer Arbeit sein, ein innovativer, kultureller Anziehungspunkt im neu entstehenden grenzenlosen Mittelpunkt Europas.

In der heutigen Zeit einen neuen Theaterraum, ein Theaterfestival und eine Theaterschule aufzubauen und damit einen quasi „städtischen Kulturbetrieb“ in freier Trägerschaft zu begründen, zeugt von besonderer kulturpolitischer Weitsicht und von dem Mut, sich antizyklisch verhalten zu wollen.

Nikol Putz
im Dezember 2003



Die vollständige Konzeption als PDF-Datei:

Download Konzept Darstellende Kunst in Tirschenreuth

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Info Zukunft der Darstellenden Kunst in Tirschenreuth

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Stadtturm Tirschenreuth



Konzeption
zur Vorlage bei der Kreisstadt Tirschenreuth

Copyright: Nikol Putz, Hamburg
Dezember 2003

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